Erfolgreich gescheitert – Warum SessionLine nicht funktionierte und was wir für HEUTE IN HAMBURG daraus gelernt haben!

hih-bulli

Vorwort

Hey du! Wie schön, dass du dich für den Werdegang von SessionLine zu HEUTE IN HAMBURG interessierst. Da sich in den letzten Jahren einiges zugetragen hat, hier eine kurze Gliederung zum hineinspringen:

  1. Eine Idee entsteht
  2. Die Idee war da, aber das Team noch nicht komplett
  3. Ein Projekt reift zur Unternehmung
  4. SessionLine im neuen Gewandt & auch für die Hosentasche
  5. HEUTE IN HAMBURG startet durch
  6. Aus einer Kampagne wird ein neues Projekt
  7. Der erste personalisierte Freizeit-Guide
  8. Die HEUTE IN HAMBURG App kommt :) & SessionLine wird abgeschaltet :(
  9. Was haben wir gelernt?

 

Eine Idee entsteht

Ende 2010 – also vor rund 4,5 Jahren – kam Patrick mit einer Idee auf mich zu, die mich faszinierte. Patrick kam gerade von einer Backpacking-Tour durch Australien wieder. Er schwärmte von der Natur und seiner Erfahrung, dass unter Backpackern eine geniale Mentalität vorherrsche. “Man kann jeden ansprechen, hat sofort ein gemeinsames Thema und jeder freut sich über den Austausch untereinander” erzählte er mir. Zurück in Hamburg stand Patrick vor einem kleinen Kulturschock. “Ganz im Ernst! Ich sitze morgens mit 50 Menschen in der U-Bahn und versinke in Anonymität. Jemanden ansprechen, kennen lernen oder sogar später was zusammen unternehmen? Auf die Idee kommt hier irgendwie keiner!”, beklagte er sich mir gegenüber und teilte mir auch in diesem Moment seine Idee mit.

Eine Plattform die der Anonymität in Großstädten den Kampf ansagt. Und zwar nicht mit Dating oder Business-Treffen, sondern einer Möglichkeit, eigene Freizeitaktivitäten zu teilen und andere in der Umgebung darauf aufmerksam zu machen. Die Idee zu SessionLine war geboren. Aber warum eigentlich SessionLine? Den Namen haben wir gewählt aus zwei Gründen. Musiker gehen auf eine Jam-Session und Skater zu einer Skate-Session. Genau dieser Freizeit- und Aktivitätsbezug machte den Begriff “Session” so greifbar für uns. Visuell war der erste Entwurf eine Art Timeline, in der die geposteten Aktivitäten durchliefen. Aus diesen beiden Begriffen “Session” und “Timeline” formten wir SessionLine. Ein für uns sehr greifbarer und nachvollziehbarer Name, aber auch einer der ersten Fallstricke, die wir uns selber gelegt haben (hierzu später mehr).

Bei mir machte es auf jeden Fall in dem Moment irgendwie “Klick”. Ich war von der Idee begeistert und wollte eine solche Plattform unbedingt selber haben.

Die Idee war da, aber das Team noch nicht komplett

Es stand nun also diese Idee im Raum und wir nahmen uns vor, in der nächsten Zeit konkreter zu werden. Patrick und ich brachten bereits erste Erfahrungen aus den verschiedensten Bereichen wie Webentwicklung, UI-Design, Marketing und Business Development mit. Jedoch fehlte uns ein richtiger CTO zu unserem Glück. Wir stürzten uns in die – damals noch sehr überschaubare – Hamburger Gründerszene, sogen alles mögliche an Informationen und nützlichen Tipps in uns auf und suchten nach einem Mitgründer.

Im August 2011 war es dann endlich soweit. Auf einer Party in Kiel traf ich Sven seit längerer Zeit einmal wieder. Ich kannte Sven zu dem Zeitpunkt schon seit den ersten gemeinsamen LAN-Partys und wusste, dass er ein begeisterter ITler ist. Kurzerhand erzählte ich ihm von der Idee. Er war Feuer und Flamme und meinte, genau eine solche Plattform würde er selber gerne haben. Dieser Gedankengang kam mir bekannt vor und ich konnte mir kein besseres Commitment vorstellen!

Direkt eine Woche später fuhren Patrick und ich zu Sven, damit sich die beiden erst einmal ein wenig beschnuppern konnten – dachte ich mir zumindest. Aus dem ersten “Beschnuppern” wurde dann aber innerhalb kürzester Zeit ein erstes Datenbankmodell, ein UI-Entwurf und das schöne Gefühl, ein komplettes Team gefunden zu haben.

Die SessionLine Gründer - Jan, Patrick und Sven

Das Team ist komplett! v.l.n.r. Jan, Patrick & Sven

 

Ein Projekt reift zur Unternehmung

2011 ging zu Ende und unser erster Prototyp für eine Webplattform nahm Gestalt an. Im Frühjahr 2012 starteten wir eine erste geschlossene Testphase mit Freunden und Bekannten. Durch das Feedback konnten wir schnell erste Korrekturen vornehmen und fühlten uns für eine öffentliche Testphase über den Sommer gewappnet. Die öffentliche Testphase lief super und wir lernten viele neue Leute kennen. Mit dieser positiven Energie aufgeladen und voller Tatendrang entschieden wir uns, das ganze Projekt auf eine nächste Stufe zu heben. Sven zog von Kiel nach Hamburg und zu dritt gründeten wir die SessionLine UG (haftungsbeschränkt). Ein tolles Gefühl und eine geniale Zeit!

2013 startete und wir konnten aus dem Feedback aus der Testphase eines ganz deutlich ablesen. SessionLine muss es als App geben um wirklich etwas bewegen zu können. Auf der Entwicklungs-Seite wussten wir also, was wir zu tun hatten. Nichtsdestotrotz wollten wir die vorhandene Plattform im Bekanntheitsgrad voranbringen und starteten daher die Kampagne “Studenten, findet euch!”. Die Nutzerzahlen stiegen, aber es kleckerte nur. Was sollte man auch ohne Marketingbudget großartig erwarten. Da wir also nicht das große Geld für Marketing hatten, haben wir uns einfach eine weitere Aktion überlegt. Mit #99Sessions hat Patrick den Leuten gezeigt, was man mit SessionLine alles machen kann und wie viele spannende Menschen man trifft. Im August 2013 haben wir dann beim Pitch im Social Impact Lab überzeugt und ein 8-monatiges Stipendium gewonnen. Das neue kreative Umfeld, das Coaching und das direkte Feedback von anderen Stipendiaten war super. Ein Strategieschwenk fand statt und wir rollten das gesamte Konzept noch einmal mit der Herangehensweise “mobile first” auf.

SessionLine im neuen Gewand und auch für die Hosentasche

SessionLine als iOS & Android App und im Web

SessionLine im neuen Gewand & als App

 

Am 30.04.2014 war es dann soweit. Wir machten einen kompletten Relaunch. Neben einem neuen Design standen jetzt vor allem unsere Apps für iOS & Android im Vordergrund. Die Nutzerzahlen stiegen und auch die Presse fand die neue Aufmachung interessant. Durch das Social Impact Stipendium nach vorne getrieben und mit den richtigen Leuten vernetzt, fanden dann auch erste Investorengespräche statt. Leider mussten wir sehr schnell feststellen, dass das Thema Social Discovery und Social Networks in Deutschland auf der Investorenseite nicht sehr gut ankommt. In den meisten Fällen wurde uns mitgeteilt, dass wir doch bitte wiederkommen sollen, sobald wir eine deutschlandweite Userbase aufweisen könnten. Leider standen wir somit vor einem Teufelskreis. Ohne Geld kein Budget für Marketing und ohne Marketing keine neuen Nutzer. Ohne steigende Nutzerzahlen keine Umsetzungsmöglichkeit für unser Geschäftsmodell und somit auch keine Einnahmen. Somit saßen wir im Juni 2014 alle drei zusammen und beschlossen, eine letzte “Werbekampagne” zu starten. Die Idee war sehr einfach. Wir wollten mit einer Facebookseite und einem Blog täglich darauf aufmerksam machen, was man in Hamburg unternehmen könnte. Nach und nach wollten wir eine Reichweite generieren, die wir dann für die Vermarktung von SessionLine nutzen wollten. Es kam dann jedoch alles ganz anders.

HEUTE IN HAMBURG startet durch

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Bereits nach 2,5 Wochen über 10.000 Fans auf Facebook!

 

Unerwartet aber sicherlich nicht unerhofft, schlägt das Konzept hinter unserer Kampagne “HEUTE IN HAMBURG” innerhalb kurzer Zeit gut an. Schon nach zweieinhalb Wochen hatten wir über 10.000 Fans auf Facebook. Was wir gemacht haben? Jeden Tag einen Tipp gegeben, was man heute in Hamburg machen könnte. Haben wir Werbung auf Facebook geschaltet? Ja, sagenhafte 50€ haben wir insgesamt hier und da eingesetzt. Um es mit Patricks Worten zu beschreiben, hat sich folgendes bewahrheitet:

“Man darf nicht die Inhalte bewerben, die von selbst schon nicht gut laufen, sondern muss sich auf die Inhalte konzentieren, die ohne Budget schon für eine überdurchschnittliche Aufmerksamkeit sorgen. Dazu muss man im Fall von HEUTE IN HAMBURG noch sagen, dass der Name alles erklärt. Man weiß sofort worum es geht und was man bekommen wird.”

Nach und nach sind ein Blog, ein Newsletter und noch weitere Social Media Kanäle wie Twitter oder Instagram hinzugekommen.

Aus einer Kampagne wird ein neues Projekt

Das Feedback auf unsere Aktion war genial und wir merkten mehr und mehr, dass wir einen Nerv getroffen hatten. Die Entscheidung viel uns nicht leicht, aber es wurde sehr deutlich, dass es blöd wäre, sich in dieser Situation an etwas Altes zu klammern statt zu erkennen, dass sich etwas tolles Neues anbietet. Wir entschlossen uns somit, die operativen Funktionen bei SessionLine liegen zu lassen und uns voll auf HEUTE IN HAMBURG zu fokussieren. Anfang September schlossen wir uns für eine Woche in Timmendorf ein, um den Kopf zu frei zu bekommen und uns darüber klar zu werden, was wir mit unserem neuen Baby machen wollen.

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Im VW Bus unterwegs nach Timmendorf. Einschließen, fokussieren und auf das neue Baby konzentrieren.

 

Der erste personalisierte Freizeit-Guide

Für uns war sofort klar: Wir wollten wieder eine App entwickeln! Da wir nun schon ein wenig Feedback via Facebook und Mail zu HEUTE IN HAMBURG bekommen hatten, konnten wir unser Vorhaben konkretisieren. Es ging also darum, eine neue gemeinsame Vision zu formen:

HEUTE IN HAMBURG wird der erste redaktionell betriebene, persönliche Freizeitguide. Jeden Tag sollen die Nutzer recherchierte und redaktionell aufbereitete Tipps bekommen, die zu einem passen. Mit Hilfe einer Like und Dislike Möglichkeit können Nutzer freiwillig die Tipps bewerten und somit nach und nach ihren persönlichen Freizeitguide entstehen lassen, der auf Basis dieser (und im Laufe der Zeit noch weiterer Daten) die idealen Tipps für einen zusammenstellt. Klares Ziel ist es, den Nutzer nicht mit Quantität an die App zu fesseln, sondern mit Qualität von der regelmäßigen Nutzung zu überzeugen und somit ein Wegbegleiter durch den Alltag zu werden.

Das erste Ziel war also klar gesteckt und die Entwicklung konnte beginnen. Währenddessen entwickelten sich die HEUTE IN HAMBURG Kanäle enorm. Um den Jahreswechsel 2014/2015 herum war es soweit, dass wir im Monat mehr als 600.000 Personen in und um Hamburg über alle unsere Kanäle erreichen konnten. Eine mobile Nutzungsrate von 60 – 70% verdeutlichte schon zu diesem Zeitpunkt das Potenzial für eine App!

Die HEUTE IN HAMBURG App kommt :) & SessionLine wird abgeschaltet :(

Titelbild_prelaunch

Am 23. April kommt die HEUTE IN HAMBURG App für iOS & Android!

 

Nachdem nun die Kampagne zum neuen Baby geworden ist und einige Zeit entwickelt wurde, ist es nun soweit. Am morgigen 23. April kommt die HEUTE IN HAMBURG App für iOS & Android. Dann heißt es endgültig: “Keinen Plan haben war gestern! Wir sagen dir, was heute in Hamburg abgeht.” Gleichermaßen werden wir aber auch an diesem Tag einen Schlussstrich für SessionLine ziehen. Die App wird aus den Stores genommen und die Server drei Wochen später endgültig abgeschaltet. Somit werden wir neben hoffentlich eintretenden Freudentränen über die zahlreichen App-Downloads auch die ein oder andere Träne bezüglich der Abschaltung SessionLines verdrücken.

Was haben wir gelernt?

Im Endeffekt haben wir gelernt, dass man ohne große Werbebudgets kein erklärungsbedürftiges Produkt groß rausbringen kann. Der Name SessionLine war nicht selbsterklärend genug und man musste immer eine Story drumherum stricken. Weder Nutzer noch Presse hatten es leicht, unser Vorhaben zu verstehen ;) . Mit HEUTE IN HAMBURG haben wir es geschafft, einen Namen zu wählen, der keine große Erklärung benötigt. Des Weiteren baut das Konzept auf einem wirklich weit verbreiteten Bedürfnis nach qualitativen Inhalten auf und ist nicht auf aktive Nutzer angewiesen, die Inhalte generieren. Wir werden sehen, was die Zukunft bringen wird. Eines können wir aber mit Sicherheit sagen: Wir würden wieder gründen und es gibt nichts Wichtigeres, als sich seine Fehler bewusst zu machen und aus ihnen zu lernen.

Grüße

Jan, Patrick und Sven

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